Foto: Kleine/Oberarzt Institut für Neuroradiologie Berlin

Angiographie

Eigentlich heißt es übersetzt nur "Gefäßdarstellung". Angiographische Verfahren leisten heutzutage aber weit mehr als die reine Darstellung von Gefäßen:

Die Angiographie ist heute auch ein therapeutisches Verfahren mit dem Neuroradiologen schwerst kranke Patienten behandeln.

Oft werden Angiographien aber "nur" für die sehr genaue Diagnostik der Blutgefäße des Gehirns oder des Rückenmarks durchgeführt.

Hierfür ist die Angiographie auch heute noch das genaueste Verfahren.

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Angiographie am Institut für Neuroradiologie

Neuroangiografie (DSA). In der oberen Reihe ist eine seitliche Aufnahme einer Kontrastmittelinjektion über einen Katheter in der rechten inneren Halsschlagader zu sehen, in der unteren Reihe (die beiden linken Bilder) die entsprechende Aufnahme von vorne. Man erkennt alle Details der Blutversorgung des Gehirn in zeitlicher Auflösung (links früh-arterielle Phase, mittig spät-arteriell bis kapillär, rechts venöse Phase). Die krankhafte Gefäßmissbildung ist gut zu sehen, ebenso wie dessen verfrühte venöse Drainage. Unten rechts ist die dreidimensionale Darstellung einer Rotationsangiografie gezeigt, die den Befund besser räumlich verständlich macht und die Evaluation aus jeder beliebigen Richtung und Winkelung erlaubt.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung findet in einem hierfür vorgesehenen Raum mit einer Angiographieanlage statt. Sie werden wie bei einer OP steril abgedeckt. Sie liegen auf einem Untersuchungstisch unter einer besonderen Röntgenanlage. In der Regel wird die Untersuchung über die rechte Leistenader durchgeführt, die wir mit einer sehr dünnen Nadel nach einer örtlichen Betäubung punktieren. Danach wird ein ebenfalls sehr dünner Katheter ins Gefäßsystem eingeführt (in der Regel dünner als 3 mm). Das ist zumeist weitestgehend schmerzfrei möglich. Sie merken allenfalls, dass in der Leistenregion „gearbeitet“ wird, spüren aber keinen Schmerz. Sollte Sie dennoch etwas stören, können Sie uns dies jederzeit mitteilen und mehr Betäubung erhalten.

Die Katheterposition im Körper bemerken Sie nicht. Nur wenn kurz Kontrastmittel gespritzt wird, um die Adern des Halses, Gesichts und Gehirns zu kontrastieren, ist es möglich, dass Sie ein kurzzeitiges Wärmegefühl im untersuchten Gebiet, unter Umständen auch einmal kurz einen seltsamen Geschmack im Mund, einen lokalen Druck oder leichten Schwindel bemerken oder auch, dass Sie für wenige Sekunden Lichtblitze vor den Augen bemerken. Es werden so, je nach medizinischer Erfordernis, bis zu sechs gesichts- und hirnversorgende Arterien untersucht, was in der Regel ca. 15-30 Minuten dauert. Zum Ende der Untersuchung wird der Katheter wieder entfernt und die Leistenader per Hand für ca. 12 Minuten abgedrückt, um die kleine Wunde zu verschließen. Danach legen wir Ihnen einen Druckverband um die Leiste, den Sie für ca. 6-8 h belassen sollten. Während dieser Zeit müssen Sie relativ flach im Bett liegen. Für die Angiographie über die Leistenader werden Sie stationär aufgenommen. In der Regel werden Sie am Morgen nach der Angiographie wieder entlassen.

In ausgesuchten Fällen können wir für Sie auch die Hirnangiographie über die Schlagader am Handgelenk durchführen. Diese Technik ist in der Kardiologie bereits Standard. Ob die dort zu verzeichnenden Vorteile sich vollumfänglich auf die Hirnangiographie übertragen lassen, ist noch nicht genau geklärt. Jedenfalls gehören wir zu den ersten Einrichtungen des Landes, die diese Technik auch für die Neuroradiologie etabliert haben. Der Vorteil für die Patienten besteht darin, dass sie keine Liegezeit einhalten müssen, sondern direkt aufstehen können. Daher kann die Untersuchung auch ambulant durchgeführt werden. Die Punktionsstelle wird dann mit einem Verband versorgt, der ca. 4-6 h belassen wird.
 

Welche Vorbereitungen sind erforderlich?

Im Vorfeld, spätestens aber am Vortag der Untersuchung ist eine Blutentnahme erforderlich sowie ein Aufklärungsgespräch mit einem unserer Ärzte. Falls Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten sie etwa eine Woche im Voraus mit unseren Ärzten klären, ob sie diese weiternehmen, auf ein anderes Medikament wechseln oder pausieren. Am Untersuchungstag selbst sollten Sie sich morgens auf Station einfinden. Sie können ganz normal essen und trinken und auch ihre anderen Medikamente wie gewöhnlich einnehmen. Sollten Sie sehr aufgeregt sein, so können wir Ihnen ein Beruhigungsmittel verabreichen, das Sie weitgehend entspannt durch die Untersuchung bringt. Eine Vollnarkose ist in aller Regel bei Erwachsenen nicht erforderlich, wird aber bei Kindern regelhaft durchgeführt.

Welche Risiken birgt die Prozedur?

In geübten Händen ist die zerebrale Angiographie ein sehr schonendes und extrem risikoarmes Verfahren. Komplikationen, die zu einer dauerhaften beeinträchtigenden Schädigung führen, kommen nur sehr selten vor. Die detaillierten Risiken besprechen wir mit Ihnen gerne im Vorfeld und spätestens während der Aufklärung.

Ansprechpartner für Angiographien

Dr. med. Georg Bohner

Kommissarischer Leiter des Instituts für Neuroradiologie

Foto: Kliesch
PD Dr. med. Eberhard Siebert

Oberarzt, Sektionsverantwortlicher Angio/Intervention, Facharzt für Radiologie, Schwerpunktbezeichnung Neuroradiologie

Dr. med. Hans-Christian Bauknecht

Oberarzt, Campusleitung CCM, Facharzt für Radiologie, Schwerpunktbezeichnung Neuroradiologie

Foto: Kliesch
Dr. med. Justus Kleine

Oberarzt, Campusleitung CBF, Facharzt für Radiologie und Facharzt für Neurologie, Schwerpunktbezeichung Neuroradiologie

Foto: Liebig/Leitung Institut für Neuroradiologie Berlin
PD Dr. med. Dipl. Phys. Edzard Wiener

Oberarzt, Campusleitung CVK, Facharzt für Radiologie, Schwerpunktbezeichnung Neuroradiologie